Mia konnte nicht schlafen. Sie lag in ihrem Bett und schaute an die Decke, wo die Leuchtsterne klebten. Vier waren abgefallen. Sie hatte sie gezählt.
Da machte es leise: klick.
Mia drehte den Kopf. Auf dem Fensterbrett saß eine Katze. Sie war silbern, so silbern wie der Löffel im Küchenschrank, und ihre Augen leuchteten wie zwei kleine Lampen.
„Wer bist du?", flüsterte Mia.
„Ich bin die Mondkatze", sagte die Katze. „Ich passe auf den Mond auf."
Mia setzte sich auf. „Der Mond braucht jemanden, der auf ihn aufpasst?"
„Natürlich", sagte die Mondkatze und putzte sich die Pfote. „Sonst rollt er weg."
„Rollt er weg?"
„Er ist rund", sagte die Mondkatze, als wäre damit alles erklärt.
Mia musste kichern. Dann wurde sie wieder ernst. „Ich kann nicht schlafen."
Die Mondkatze legte den Kopf schief. „Warum nicht?"
„Meine Gedanken sind zu laut."
„Ah", sagte die Mondkatze. „Das kenne ich. Weißt du, was ich dann mache?"
Mia schüttelte den Kopf.
„Ich lege sie ab. Einen nach dem anderen. So wie du deine Schuhe ablegst." Die Mondkatze streckte eine Pfote aus. „Gib mir einen."
Mia überlegte. „Ich habe an morgen gedacht. Ob Emma wieder mit mir spielt."
„Gib her." Die Mondkatze machte eine Bewegung, als würde sie etwas fangen, und dann legte sie es neben sich aufs Fensterbrett. „Der wartet hier. Bis morgen früh."
„Und ich habe an das Geräusch im Flur gedacht."
„Das ist der Kühlschrank. Aber gib ihn trotzdem her." Wieder die Bewegung. Wieder ab aufs Fensterbrett.
„Und ich habe daran gedacht, dass ich nicht schlafen kann."
Die Mondkatze schnurrte. „Der ist der schwerste. Den nehme ich zuletzt."
Sie machte die Bewegung noch einmal, ganz langsam.
Mia legte sich zurück auf ihr Kissen. Es fühlte sich leichter an im Kopf. So als hätte jemand die Fenster aufgemacht.
„Bist du morgen wieder da?", murmelte sie.
„Ich bin jede Nacht da", sagte die Mondkatze. „Ich sitze nur meistens weiter weg."
Mia machte die Augen zu.
Auf dem Fensterbrett saß die Mondkatze und passte auf. Auf den Mond. Und auf die drei Gedanken, die neben ihr lagen und bis zum Morgen warten mussten.
Mein Traumheld