Im Wald am Hang, dort wo die großen Tannen stehen, lag eine Höhle. In der Höhle wohnte Mama Bär. Und neben Mama Bär lag ein kleiner Bär, der hieß Bruno.
Draußen fiel der erste Schnee.
„Es ist Zeit zu schlafen", sagte Mama Bär und gähnte so groß, dass man ihre Zunge sehen konnte. „Den ganzen Winter."
Bruno setzte sich auf. „Den ganzen Winter? Aber ich bin doch gar nicht müde!"
„Das kommt noch", sagte Mama Bär.
Bruno legte sich hin. Er machte die Augen zu. Er machte die Augen wieder auf.
„Mama? Was ist, wenn ich etwas verpasse?"
Mama Bär brummte leise. „Was denn zum Beispiel?"
Bruno überlegte. „Den Schnee."
„Der Schnee schmilzt wieder."
„Die Eichhörnchen."
„Die schlafen auch."
„Den Mond."
Mama Bär machte ein Auge auf. „Komm mal her."
Bruno tapste zum Höhleneingang. Draußen war alles still. Der Schnee lag auf den Zweigen wie Zuckerguss. Und über den Tannen stand der Mond, rund und gelb wie ein Butterbrot.
„Siehst du ihn?", fragte Mama Bär.
Bruno nickte.
„Der Mond geht nirgendwohin. Der ist auch morgen noch da. Und übermorgen. Und wenn du im Frühling aufwachst, hängt er genau dort."
Bruno schaute den Mond an. Der Mond schaute zurück. So kam es Bruno jedenfalls vor.
„Versprichst du das?", flüsterte er.
„Der Mond verspricht es", sagte Mama Bär.
Bruno tapste zurück in die Höhle. Er kuschelte sich an Mamas warmes Fell. Es roch nach Waldboden und ein bisschen nach Honig.
„Mama?"
„Hm?"
„Ich bin jetzt doch ein kleines bisschen müde."
„Das dachte ich mir", sagte Mama Bär.
Bruno machte die Augen zu. Draußen fiel der Schnee weiter, ganz leise, und deckte den Wald zu wie eine Decke.
Und der Mond blieb, wo er war. Die ganze Nacht. Den ganzen Winter.
Mein Traumheld