Tom mochte Ordnung.
Seine Bausteine lagen nach Farben sortiert. Seine Bücher standen nach Größe. Seine Stifte lagen in einer Reihe, alle mit der Spitze nach links.
Und dann schaute Tom eines Abends aus dem Fenster und sah die Sterne.
Sie lagen einfach so da. Kreuz und quer. Ohne jedes System.
Tom fand das furchtbar.
„Die müsste mal jemand ordnen", sagte er.
„Wer soll das denn machen?", fragte seine Mutter.
„Ich", sagte Tom.
Also holte er ein Blatt Papier und einen Stift und fing an.
Er malte jeden Stern, den er sah, als kleinen Punkt. Das dauerte lange. Nach einer Stunde hatte er 84 Punkte, und das Blatt sah aus, als hätte jemand Pfeffer darüber gestreut.
Am nächsten Abend wollte er sie sortieren. Erst nach Helligkeit.
Aber das ging nicht, denn manche Sterne waren heller, wenn er direkt hinschaute, und manche waren heller, wenn er daran vorbeischaute. Das machte keinen Sinn.
Also sortierte er nach Farbe.
Aber die Sterne waren fast alle weiß, außer einem, der war ein bisschen orange, und Tom war sich nicht mal sicher, ob er sich das nur einbildete.
Also sortierte er nach Position.
Aber in der nächsten Nacht standen sie woanders.
Tom saß am Fenster und war sehr frustriert.
„Sie halten nicht still", sagte er zu seinem Vater.
Sein Vater setzte sich neben ihn.
„Weißt du, was die Menschen früher gemacht haben?", fragte er.
Tom schüttelte den Kopf.
„Die haben es auch versucht. Tausende Jahre lang. Und dann haben sie irgendwann aufgehört zu sortieren und angefangen, Bilder zu malen."
„Bilder?"
„Schau mal dahin." Sein Vater zeigte nach oben. „Die sieben Sterne da. Was siehst du?"
Tom schaute. „Punkte."
„Verbinde sie."
Tom kniff die Augen zusammen. Er zog in Gedanken Linien.
„Ein Topf", sagte er. „Mit einem Griff."
„Genau. Das nennt man den Großen Wagen. Den sehen die Menschen seit dreitausend Jahren."
Tom schaute weiter. Er fand ein W. Er fand etwas, das aussah wie ein Drachen, so einer zum Steigenlassen.
Und er merkte etwas Merkwürdiges.
Die Sterne waren immer noch unordentlich. Kein bisschen sortiert. Sie standen genau so kreuz und quer wie vorher.
Aber es störte ihn nicht mehr.
„Das ist eine andere Art von Ordnung", sagte sein Vater.
Tom nickte langsam.
Er faltete sein Blatt mit den 84 Punkten zusammen und legte es in die Schublade. Nicht in den Papierkorb. In die Schublade.
Dann ging er ins Bett.
In dieser Nacht träumte er von einem Topf mit Griff, der langsam über den Himmel wanderte, und niemand musste ihn abwaschen, und niemand musste ihn wegräumen.
Er durfte einfach da sein, wo er war.
Mein Traumheld