Alle Menschen wissen: Wenn man nicht einschlafen kann, zählt man Schafe.
Was aber fast niemand weiß: Schafe können auch nicht immer einschlafen.
Auf einer Wiese in der Nähe von irgendwo lag ein Schaf namens Wolke. Es hieß Wolke, weil es so aussah. Und Wolke lag wach.
„Eins", sagte Wolke und schaute nach oben. Über ihm zog eine Wolke vorbei.
„Zwei." Noch eine.
„Drei." Diese sah aus wie ein Schuh.
Wolke zählte bis siebzehn. Dann waren die Wolken alle. Der Himmel war leer und schwarz und voller Sterne.
„Mist", sagte Wolke.
Neben ihm hob ein anderes Schaf den Kopf. Es hieß Kevin.
„Was machst du da?", fragte Kevin.
„Ich zähle Wolken. Damit ich einschlafen kann."
Kevin dachte nach. Das dauerte bei Kevin immer ein bisschen.
„Und? Funktioniert das?"
„Nein", sagte Wolke. „Die Wolken sind alle."
„Dann zähl doch Menschen", sagte Kevin.
Wolke drehte den Kopf. „Menschen?"
„Klar. Die Menschen zählen uns doch auch."
Wolke schaute wieder nach oben. Dann schaute es hinüber zum Bauernhof. Dort brannte noch ein Licht in einem kleinen Fenster.
„Eins", sagte Wolke.
Das Licht ging aus.
„Null", sagte Wolke.
„Siehst du", sagte Kevin zufrieden. „Geht doch schnell."
Und weil Zählen bis eins wirklich sehr schnell geht, schlief Wolke ein, noch bevor es sich darüber wundern konnte.
Kevin schaute noch eine Weile in den Himmel.
Dann schlief er auch ein. Ohne zu zählen. Kevin konnte sowieso nur bis vier.
Mein Traumheld