Ein Krokodil hat 68 Zähne.

Das ist eine Menge. Und jeden Abend kam ein kleiner Vogel angeflogen, setzte sich in das offene Maul und putzte sie. Alle 68.

So machen das Krokodile und Vögel. Seit immer schon.

Aber dieses Krokodil hieß Egon, und Egon hatte keine Lust mehr.

„Heute nicht", sagte Egon und machte das Maul zu.

Der Vogel setzte sich auf Egons Nase. „Wie bitte?"

„Ich mag das nicht. Es kitzelt."

„Es kitzelt seit vier Jahren", sagte der Vogel. „Und seit vier Jahren mache ich das."

„Genau. Vier Jahre reichen."

Der Vogel verschränkte die Flügel, so gut ein Vogel das kann.

„Gut", sagte er. „Dann eben nicht."

Und er flog weg.

Am ersten Abend war Egon sehr zufrieden mit sich.

Am zweiten Abend auch.

Am dritten Abend merkte er, dass etwas zwischen Zahn 14 und Zahn 15 saß. Es war ein Stück Fisch. Es fühlte sich an wie ein Stein im Schuh, nur im Mund.

Am vierten Abend saß da auch noch etwas zwischen Zahn 40 und 41.

Am fünften Abend traute Egon sich nicht mehr zu gähnen, weil es so roch.

Am sechsten Abend kamen die anderen Krokodile nicht mehr so nah.

Am siebten Abend saß Egon allein am Ufer und war sehr unglücklich.

Da landete der kleine Vogel neben ihm.

„Na?", sagte der Vogel.

Egon sagte nichts. Er machte nur langsam das Maul auf.

Der Vogel hüpfte hinein und fing an. Zahn eins. Zahn zwei. Zahn drei.

Es kitzelte immer noch.

Aber diesmal hielt Egon ganz still, und als der Vogel bei Zahn 68 angekommen war, sagte Egon etwas, das Krokodile fast nie sagen.

„Danke."

Der Vogel setzte sich auf Egons Nase.

„Morgen wieder?"

„Morgen wieder", sagte Egon.

Und dann schliefen beide ein, der eine im Schlamm und der andere auf einer Nase, was ziemlich ungemütlich klingt, für einen Vogel aber völlig in Ordnung ist.